Weihnachtsplätzchen

Grafik: Lena Knaudt

Kürzlich habe ich selbstgebackene Weihnachtsplätzchen zugeschickt bekommen, von einer jungen Autorin, die ich durch die Jugendarbeit kennen gelernt habe, und ich habe eine Mail geschrieben an eine Bekannte, die sich über meine Zugehörigkeit zu unserer kleinen Gemeinschaft immer ein wenig lustig macht: Siehst Du, Mitgliedschaft bei KV lohnt sich doch. Manchmal.

Ansonsten gilt es ja als schick, sich als Einzelkämpfer zu definieren oder zumindest zu postulieren, das Individuum stärken, damit die Gemeinschaft stark wird. Das mag auch auf einzelne Individuen zutreffen, um diesen Begriff einmal unironisch zu benutzen, was ich selten und ungern mache, aus vielerlei Gründen, – es trifft zumindest auf die eher starken Einzelwesen zu, die durchsetzungsfähig, überzeugend, in manchen Fällen noch dazu intelligent und klug sind, oder durch andere Qualitäten zu überzeugen wissen, und sei das auch nur, indem sie einen Ball treten oder werfen können oder ohne zu stolpern einen Catwalk entlang spazieren können. Jedem seins. Die These trifft sicherlich nicht auf die schwachen Mitglieder einer Gemeinschaft zu, sie sind die Opfer eines solchen Individualismus, da sie aus sich heraus ihr Leben nicht gestalten oder gar meistern können.

Aber auch die Starken oder eher Starken haben nur eine fragile Sicherheit in einer globalen Welt, um auch diesen Ausdruck einmal unironisch und unkommentiert zu benutzen, mit ein wenig Schadenfreude sehe ich mir gelegentlich Fernsehbilder nach angekündigten Massenentlassungen an, in denen verzweifelte Baldnichtmehrmitarbeiter von ihren Zukunftsängsten berichten, und von ihrer Angst, bald zu einer Gruppe zu gehören, die sie vorher verachtet und beschimpft haben. Hätte man vorher daran denken müssen, dass man von den Strukturen, die man selbst durch seine Passivität immer unterstützt und gestärkt hat, auch einmal erschlagen werden kann. Und Strukturen ändert man in einer Demokratie eben nur durch das Bilden von Mehrheiten, und Mehrheiten artikulieren sich nur, indem sie Gemeinschaften bilden. Auch 30 Millionen Einzelkämpfer werden nicht beachtet, wenn sie keine Stimme haben.

Und das ist bei KV überhaupt nicht anders, so meine Meinung. Meine Erfahrung. Für 2300 einzelne Autoren interessiert sich kein Mensch, so lange sie einzeln auftreten ist es, als träte nur ein Einzelner auf. Das ist eigentlich eine Phrase, oder, wie es meine Oma genannt hätte: Eine Binsenwahrheit, aber gerade Phrasen haben ja eine zugrunde liegende Wahrheit, die nur durch ständigen und oft falschen Gebrauch in Geschwätz verkehrt wird. Oder verkehrt werden soll. Das Ziel unserer kleinen Gemeinschaft, eines davon, einzelnen Autoren den Zugang zu dem so genannten Kulturbetrieb außerhalb des Internets zu ermöglichen, ist nur zu verwirklichen, wenn diese Autoren von einer starken Gemeinschaft unterstützt werden. Zumindest wird es so bedeutend leichter. Einige Autoren sind zu gut, um als KV-Berühmtheiten zu enden, so ehrenvoll das auch ist.

Tja, und die Jugend…Die jungen Autoren bilden hier eine starke Mehrheit, die sich von den mittelalten und alten Autoren verwalten, bevormunden, unterdrücken lässt, um es einmal überspitzt zu formulieren, jedenfalls werden eigene Interessen fast gar nicht artikuliert, selbst wenn man gezielt danach fragt. Oder gibt es die gar nicht, ist alles gut, bis man selbst vor dem Werkstor steht, und zwar: Mit dem Rücken zuerst. Weil man nicht rechtzeitig….

Es gibt ja nicht immer, überall und für alles Weihnachtsplätzchen, selbstgebackene, und wenn man welche erhält, schmecken die vielleicht nicht immer so gut wie die von der jungen Autorin. Noch einmal, vielen, vielen Dank dafür, und allen Anderen, Einzelnen, der Gemeinschaft:

Einen guten Tag.