Am See

Als er kam saß sie schon auf der Bank am See und ließ Steinchen springen über das Wasser. Steine, es regnete leicht und langsam wurde es: dunkel. Als er sich zu ihr setzte sagte er etwas, wie: Ich habe mich verspätet. Und sie sagte etwas, wie: Nichts. Und ließ Steinchen hüpfen über das Wasser. Wie Steine.

Selbstrotation, dachte er, die Steine müssen in Rotation gebracht werden, sonst gehen sie unter. Ellipsoidenform, flacher Winkel zum Wasser, Geschwindigkeit. Bei jedem Aufprall auf das Wasser verliert der Stein an Energie, schließlich taucht er unter.

Dann sagte er es.

Sie: Ja. Kann sein.

Er dachte: Seen trocknen aus mit der Zeit, Verdunstung und menschlicher Einfluss, und am Ende bleiben Steine übrig am Grund. Steinchen. Die hebt der Irgendjemand auf  und baut daraus etwas, vielleicht, ein Haus, dann eine Stadt, ein Land, eine Welt. Es leben Menschen in den Steinchen und Steinen. Die: leben, – dann führen sie Kriege, verhungern oder verdursten, so etwas, bis alles zu Staub wird und wieder zu Gestein. Am Ende regnet es und es entsteht wieder ein See. Vielleicht ein See.

Schon Homer hat über das Steinchenwerfen geschrieben, sagte er, man nahm Austernschalen dazu.

Sie lächelte. Ein wenig.

Die Beduinen nehmen den Sand als Unterlage, und die Inuit das Eis, sagte sie, aber es regnet jetzt nicht mehr.

Sie warf einen großen Stein in das Wasser, der schnell versank. Dann standen sie beide auf und gingen in die Stadt, Hand in Hand, um etwas zu essen. Oder so etwas. Dabei sprachen sie über neue Filme und Bücher, am Ende des Tages über das Wetter.